Gustav Klimt

Abstrakte Kunst in den Gemälden von Gustav Klimt

Gustav Klimt und der Weg zur Abstraktion

Gustav Klimt wird oft mit Symbolismus und dekorativem Jugendstil in Verbindung gebracht, doch viele seiner bedeutendsten Werke nähern sich der Abstraktion durch Ornamentik, Rhythmus und Oberflächengestaltung. Anstatt die Figuration gänzlich aufzugeben, löste Klimt erkennbare Formen in Muster auf und verwandelte die gemalte Oberfläche so in ein autonomes visuelles Feld.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandte sich Klimt von der traditionellen Tiefenwirkung und Perspektive ab und bevorzugte flächige, ornamentale Kompositionen. Diese Neuausrichtung brachte sein Werk in Einklang mit der aufkommenden Bildsprache der abstrakten Kunst, in der Struktur und visuelle Harmonie wichtiger wurden als narrative Inhalte.

Der Stocletfries als abstraktes Meisterwerk

Der Stocletfries (1905–1911), geschaffen für den Palais Stoclet in Brüssel, stellt Klimts radikalste Auseinandersetzung mit der Abstraktion dar. Innerhalb dieses monumentalen Zyklus scheinen Figuren wie der Goldene Ritter fast vollständig in geometrische und ornamentale Systeme aufzugehen.

Goldene Flächen, wiederkehrende Symbole, Spiralen und mosaikartige Strukturen prägen die Komposition. Die menschliche Präsenz tritt hinter Rhythmus, Muster und symbolische Geometrie – Schlüsselprinzipien abstrakten Denkens – zurück. Der Fries wirkt weniger wie eine Erzählung als vielmehr wie eine visuelle Meditation.

Ornament, Geometrie und reine Oberfläche

Klimts Verwendung von Blattgold lässt den Bildraum flacher wirken und beseitigt die Illusion von Tiefe. Diese Betonung der Oberfläche verwandelt das Gemälde in ein abstraktes Feld, in dem Bedeutung eher durch Wiederholung, Kontrast und Ausgewogenheit als durch Gegenständlichkeit entsteht.

Geometrische Motive stehen neben organischen Formen und erzeugen eine dynamische Spannung, die spätere abstrakte Strömungen vorwegnimmt. In diesem Sinne fungiert Klimt als Brücke zwischen Symbolismus und moderner Abstraktion.

Klimts Vermächtnis in der modernen abstrakten Kunst

Obwohl Klimt sich selbst nie als abstrakten Künstler bezeichnete, beeinflusste sein Ansatz die Entwicklung der abstrakten Kunst in Europa maßgeblich. Sein Fokus auf Oberflächenautonomie, dekorativen Rhythmus und symbolische Abstraktion ebnete den Weg für Künstler wie Wassily Kandinsky und Paul Klee.

Der Stocletfries gilt als ein Schlüsselmoment in der Kunstgeschichte, in dem Ornament zur Abstraktion wird – zu einer visuellen Sprache, die unabhängig von der Erzählung ist und in Form, Material und Empfindung wurzelt.

Illustration: Gustav Klimt — Detail aus dem Stocletfries (Goldener Ritter), 1905–1911

Detail aus Gustav Klimts Stocletfries, das den Goldenen Ritter darstellt und abstrakte Ornamente, Goldflächen und geometrische Komposition hervorhebt.

Stoclet-Fries Gustav Klimt